Trash - Meine Sicht der Dinge

Jeder kennt sie, die schlecht beleuchteten, verwackelten und schiefen Bilder mit der Nachbarin die „das mit dem Modeln mal probieren möchte“
Völlig OK! Jeder wie er will. Zum testen was die neue Kamera kann oder einfach nur zum Spass. Kann man mal machen.
Aber was ist Trash-Fotografie eigentlich wirklich? Und kann das nicht jeder?

Grundsätzlich kann man sagen: Trash ist kein Genre oder eine bestimmte Art zu fotografieren.
Trash ist vielmehr die innere Einstellung mit der oft belanglos wirkende
Szenen oder aber durchdachte Sujets, oft, aber nicht zwingend, mit sich nackt räkelnden Models,
in einer auf den ersten Blick, billig anmutenden technischen Art und Weise abgelichtet werden.

„Trash ist die ehrlichste Art der Fotografie“

Da aber liegt der Hund begraben und auch gleichzeitig die größte Fehlerquelle.
Es ist heutzutage einfach ein mieses Bild zu nehmen, #trash drunterzuknallen, es dann ins Internet zu scheißen
und es mit dem Hashtag #kunst dem geneigten Publikum zu präsentieren.
Kann man machen… Muss man aber nicht.

Viele Kritiker solcher Fotos in einschlägigen Facebook Gruppen haben zudem Recht.
Die meisten Fotos die einem als „Kunst“ verkauft werden sind schlecht.
Darüber können auch nicht die Möpse der Protagonistin hinwegtäuschen.

Helmut Newton hat einmal gesagt:
„Manche Fotos gelingen nicht, ich zeige sie aber trotzdem. Ich mache Fotos nicht um sie in die Schublade zu legen“
Ein Satz der durchaus Sinn macht. Wenn man Helmut Newton ist.
Dann sind nämlich auch die schlechten Fotos soviel besser als unsere besten Bilder.
Klingt desillusionierend. Ist es aber nicht.

Es gibt Hoffnung!
Ich blitz einfach alles weg! Setz Dich mal mit der Whiskyflasche aufs Klo!
Stell Dich vor die Graffiti Wand und Streck die Zunge raus!
Stinkefinger geht immer. Hauptsache irgendwie kinky!

Das alles sind legitime „Bildideen“ aber da ist mehr. Viel mehr.

Es geht im Trash nicht darum möglichst beschissen zu fotografieren.
Es geht vielmehr um die Attitüde mit der man an ein Motiv rangeht.
Man darf selbstverständlich fotografischen Regeln folgen und muss nicht zwanghaft versuchen einen möglichst unvorteilhaften Bildausschnitt zu wählen
Der goldene Schnitt ist dein Freund! Goldener Schnitt ist nicht so old school wie man vielleicht denken mag.
Das sieht in den meisten Fällen sogar extrem gut aus. Auch Farbharmonien machen Sinn.

Gutes Make-up ist mindestens genauso wichtig. Das kann auch total wasted aussehen, aber es sollte schon gut gemacht sein.
Und wenn man dann noch die Technik beherrscht gibt’s im Grunde nichts mehr was einem geilen Foto im Wege steht.

Ausser…

Das Mindset.
Wie soll die richtige Stimmung aufkommen wenn der Fotograf mehr mit seinem Display beschäftigt ist als mit de(n)m Menschen vor der Kamera.
Mein Tipp an dieser Stelle, schalt das Display aus. Mach gerne vorher 2-3 Testbilder um das Licht einzustellen, aber dann, mach das fucking Display aus.
Du brauchst es nicht. Vertrau Dir und lass Dich auf die Szene ein. Redet, lacht, habt Spass.
Und wenn die Schärfe mal nicht so richtig sitzt ist das dann auch egal. Wir neigen in unseren digitalen Welten dazu die Qualität eines Fotos an der Schärfe des Auges zu messen und vergessen dabei oft daß das nur ein kleiner Bestandteil des Bildes ist. Um es mit den Worten von Andreas Horns zu sagen: „Schärfe gibt’s beim Inder“

Im Trash geht es um den Moment und wenn der Moment ein bisschen verwackelt war, dann ist das so.
Sorge lieber dafür daß die Fotos gut werden, daß sie leben und alle eine gute Zeit haben.

Dann wird auch ein verwackeltes Foto, bei dem der Fokus vielleicht nicht sitzt wirken. Garantiert!

Versuch nicht auf krampf „trashig“ zu fotografieren sei Trash.

xXx fabz xXx
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